Human Transmutation

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Alchemy’s First Law Of Equivalent Exchange – Fullmetal Alchemist Brotherhood

Wer Fullmetal Alchemist schon mal gesehen hat, kennt das berühmte Zitat des Equivalent Exchange. Aber auch für Nicht-Anime-Fans dürfte diese Aussage ganz interessant sein, denn im Grunde beschreibt sie das Phänomen, dass jede Tat eine Konsequenz nach sich zieht. Oder jedes Ergebnis einen Einsatz erfordert. Manche möchten es vielleicht Karma nennen und manche halten es möglicherweise schlicht für übertrieben. Im Grunde kann man auch einfach sagen: „Was rein geht, das kommt auch wieder heraus“. Die Frage die man sich heute dazu stellt lautet wohl eher wie folgt: „Lohnt sich mein Einsatz? Ist es das wirklich wert?“.

Wir beurteilen Menschen, Dinge, Eigenschaften und Leistungen nach ihrem Wert und wägen ab, ob sich unsere Mühe für das Endergebnis überhaupt lohnt. Ob es sich lohnt sich in einer Beziehung anzustrengen, ob ein Produkt wirklich seinen Preis verdient und ob man sich in diesem Job tatsächlich so abmühen muss, wo er doch nie das war, was man sich eigentlich erträumt hat? Aber kann man den Wert einer Sache oder eines Wesens wirklich so gut einschätzen wie man glaubt? Wie kann man Wertigkeiten verteilen, wenn man das Ergebnis gar nicht genau kennt?

Klar, manche Dinge sind leicht zu beurteilen. Eine verschimmelte Orange verdiente es nicht, dass ich einen Euro für sie ausgäbe, da sie ihren Zweck gar nicht mehr erfüllen kann, sondern mich im Gegenteil krank machen würde. Dieser Einsatz lohnt sich nicht, weil die Rechnung für mich negativ ausgeht. Aber andere Dinge wiederum sind eben nicht immer gleich leicht zu erfassen, so wie beispielsweise zwischenmenschliche Beziehungen. Durch ihre Komplexität gibt es nicht nur einen Standpunkt zu betrachten, um ihre Wertigkeiten herausfinden zu können, sondern viele. Da gibt es die Beziehung an sich, dann gibt es die eine Person, die daran beteiligt ist und dann gibt es noch die zweite. Oder noch mehr Leute. Da aber jeder eigene Bedürfnisse, Wünsche und Erinnerungen hat, die diese Beziehungen maßgeblich beeinflussen, wird das ganze nur noch komplizierter und weniger greifbar. Also gehen wir vorerst erst einmal weg davon.

Wie so oft in unserer heutigen Gesellschaft werden uns etliche Verhaltensrichtlinien vorgelegt, die sich nicht unbedingt ergänzen, sondern eben absolut gegensätzlich sind. Einerseits wird gesagt, dass wir als moderne Wegwerfgesellschaft, nicht immer alles gleich aufgeben und uns nach einer besseren Option umsehen, sondern an den Dingen und Beziehungen arbeiten sollten, die uns wichtig sind. Andererseits wird uns aber auch nahe gelegt mehr auf die eigenen Bedürfnisse zu achten und im Umkehrschluss alles hinter uns zu lassen, dass uns nicht gut tut. Wie soll das beides vereint werden? Richtig, gar nicht. Auf lange Sicht gesehen heißt es also wie immer: „Tue das, was du für vernünftig erachtest“. Dieser Ratschlag ist meistens tatsächlich treffend, hilft aber oft in dem Moment, in dem man ihn hört, nicht. Weil man eben manchmal nicht weiß was richtig ist. Man versteht seine eigenen Gefühle nicht, man versteht die Handlungen des Anderen ebenso wenig und manchmal ist die eigene subjektive Betrachtung der Dinge schlicht nur das, was man sich zusammenreimt. Ihr wisst schon, wegen Gefühlen, Erinnerungen, Erfahrungen, die einem öfters mal das Hirn vernebeln können. Man verschätzt sich und beurteilt Situationen so wie man sie eben gerade verstehen möchte. Man sagt Dinge, die man nicht so meint. Man versucht eine Reaktion aus anderen herauszukitzeln, die man sich wünscht und verhält sich dadurch völlig irrational. Und damit kommen wir wieder zurück zum Anfang: Wertigkeiten werden unfair verteilt, Beurteilungen möglicherweise „falsch“ getroffen und damit hat sich auch die Frage erledigt, ob der Einsatz dem Endergebnis gleicht. Der Equivalent Exchange erscheint hinfällig, dank der Beeinflussung durch den eigenen Verstand.

Vielleicht sollte man zumindest bei zwischenmenschlichen Dingen nicht über Wertigkeiten nachdenken. Dadurch, dass alles und jeder kategorisiert und mit imaginären Nummern versehen wird, werden wir alle austauschbar. Wenn mir auffällt, dass ich anstatt einer 6 eine 9 haben könnte, warum mir noch die Mühe machen? Man sucht sich jemand besseren, der diesen Platz einnehmen kann und so geht es immer weiter. Bekommt man nicht genug in einer wie auch immer gearteten Beziehung, wird das ganze beendet. Bekommt man zu viel, ist es zu langweilig und es wird wieder ausgetauscht.

Und damit kommen wir zum Kern des ganzen, nämlich Kommunikation.

Ja liebe Damen und Herren, ums Reden kommt man wohl nicht herum. Im Grunde könnte man seinen Mitmenschen auch einfach mitteilen, was man möchte und was nicht, einen vernünftigen Diskurs führen und gemeinsam nach Lösungen für vermeintliche Probleme suchen, dann würde vielleicht auch nicht so viel „weggeworfen werden“ heutzutage. Das Paradoxon der Kommunikation im heutigen Zeitalter ist uns allen bekannt. Unendlich viele Kanäle zum Informations- und Gedankenaustausch, aber niemand traut sich etwas zu sagen. Zumindest nichts wichtiges. Jaja klar, was wichtig ist und was nicht ist wiederum auch subjektiv. Aber ist es nicht absolut ermüdend nur darüber zu reden „was heute so geht“? Natürlich muss man nicht 24/7 tiefgründige und emotionale Gespräche führen, das wäre genauso ermüdend. Allerdings scheuen sich viele davor auch in den richtigen Momenten einfach mal das zu sagen, was ihnen wirklich auf dem Herzen liegt. Klar, das ist beängstigend und oft auch schwierig, weil Worte oft nicht mal annähernd das ausdrücken können, was eigentlich gemeint ist. Aber man könnte es versuchen. Stattdessen verstecken wir uns lieber hinter den Mauern von WhatsApp und Co. und ignorieren die Nachrichten, die uns zu heikel erscheinen oder auf die wir keine Lust haben zu antworten. Und somit entstehen Missverständnisse und negative Empfindungen. Ein Equivalent Exchange des Redens könnte uns das ersparen. Ein gleichwertiger Austausch von Gedanken schafft Tiefe und ermöglicht Bindungen, die man sich vielleicht wünscht. Denn wie wir ja bereits wissen, ernten wir das, was wir sähen. Eine ehrliche und ausgeglichene Basis der Kommunikation erzeugt stabile zukünftige Möglichkeiten. Öffnet sich einer über einen gewissen Zeitraum mehr als der andere, kann das allerdings frustrierend sein und zu Spannungen führen. Oder man verhaspelt sich in Nebensächlichkeiten und Schuldzuweisungen, ohne den Kern des Problems zu erreichen. Es ist eben schwierig, wenn man nicht alleine für das Ergebnis einer Sache zuständig ist.

Tatsache ist, dass wir nicht in andere hineingucken können. Alles was wir kennen, sind unsere eigenen geheimen Ängste und Wünsche. Manchmal kennen wir uns aber auch selbst nicht. Wir wissen nicht warum wir uns auf eine gewisse Art und Weise verhalten, wir wissen nur, dass da ein Bauchgefühl ist, das wir nicht definieren können und verhalten uns entsprechend. Wir wissen aber auch nicht was einen anderen glücklich oder unglücklich machen würde und manchmal können wir weder das eine noch das andere begünstigen. Ja, viele Dinge funktionieren nicht, weil Wünsche und Erwartungen in gegensätzliche Richtungen laufen. Aber noch mehr Dinge scheitern an fehlerhafter Kommunikation. Es muss und es wird nicht immer einfach sein, das ist ganz natürlich. Man könnte es sich allerdings einfacher machen, indem man sich aufmerksam zuhört, versucht andere zu verstehen, auch wenn man selbst ganz anders ist. Indem man sich faire Chancen gibt und niemanden für die Fehler von Anderen büßen lässt. Indem man einfach mal versucht die Dinge nicht immer zu bewerten und zu kategorisieren, sondern sie einfach geschehen lässt. Indem man nicht alles unendlich viel durchdenkt und sich eigene Theorien zusammenbastelt. Indem man einen ausgeglichenen und gleichberechtigten Austausch führt. Vielleicht versuchen wir mal, unsere Mitmenschen besser zu verstehen, ihre Ängste, ihre Wünsche, Beweggründe, Hoffnungen usw, damit wir sie verstehen, akzeptieren und Beziehungen zu schaffen, die frei sind von Wertigkeiten.

Leute, redet miteinander!

Also sagt „ja“ zum kommunikativen Equivalent Exchange! #humantransmutationscircle #moralapostel

A FAIRYTALE OF DYING

I

 

„Der Tod hat etwas äußerst Faszinierendes an sich, nicht wahr? Obwohl wir leben, als würden wir niemals sterben, tun wir es eben doch und jeder ist sich im Klaren darüber. Es hat etwas Beängstigendes sich an nichts vor dem eigenen Leben erinnern zu können. Genauso wie niemand sagen kann, wie es nach dem Tod weitergeht. Fast jede Religion und auch jeder Mensch glaubt an ein Leben nach dem Tod. Warum? Nun, das ist eigentlich ganz einfach… Zu glauben oder zu akzeptieren, dass man einfach aufhört zu existieren, würde bedeuten sich der eigenen Unwichtigkeit bewusst zu werden. Es würde bedeuten, dass wir erkennen würden, dass das System in dem wir leben, unsere Lebensqualität stiehlt und wir Dreiviertel der Zeit, die uns gegeben ist, mit Belanglosigkeiten verschwenden. Und sich dieser Tatsachen bewusst zu werden, hieße sich einzugestehen, dass die Freiheit, die wir zu haben glauben, eine Illusion ist, ein Trugschluss aus den vielen Möglichkeiten der Freizeitbeschäftigung, die uns heute zur Verfügung stehen.“

Die alte Dame, Professorin für Philosophie mit Schwerpunkt auf Erkenntnistheorie, schritt vorsichtig vor Ihren Studenten auf und ab. Der moderne Hörsaal bestand aus einem weißen Boden, weißen Wänden und filigranem Glasdekor. Tische und Stühle waren gläsern und durchsichtig, dennoch extrem stabil. In jedem Tisch war ein kleiner viereckiger Computer eingelassen, der holographische Bilder reflektierte und jede Fingerbewegung der Studenten in Buchstaben umwandeln konnte. Hinter der Professorin prangte ein überdimensionaler Bildschirm, auf dem bei Bedarf Unterrichtsmaterialien gezeigt werden konnten. Alles war steril, hell und modern.

Dr. Elaine Barn blieb hoch erhobenen Hauptes auf dem Podium stehen. Das lange, strahlend weiße Haar, fiel ihr bis in die Taille. Es war glatt und voll, auf ihrem Kopf zeigten sich keinerlei kahle Stellen. Sie war stolze 98 Jahre alt und war noch jung gewesen, als der technische Fortschritt die Gesellschaft in ihren Bann riss und den Menschen jede Form von Arbeit ersparte. Dank verbessertem medizinischem Wissen und voranschreitenden Erkenntnissen in der Lebenserhaltungs-Forschung lebten die Menschen nun beinahe 150 Jahre, bis ihre Körper den Geist aufgaben. Verschlissene Gelenke wurden durch hochmoderne Implantate ersetzt, kaputte Organe neu gezüchtet und eingesetzt und auch Krankheiten, die das Gehirn befallen, waren kein Problem mehr. Die verbesserten Computerprogramme konnten jeden Vorgang im Gehirn erkennen und somit auch dem geistigen Verschleiß entgegenwirken. Auch Elaine sah man ihr Alter nicht an. Trotz ihrer 98 Jahre, wirkte sie wie eine Frau von maximal 40 Jahren, wenn nicht sogar weniger. Ihre blasse Haut zeigte kaum Falten und ihre Augen wurden durch nichts getrübt, sie strahlten in einem kalten Blau-Grün ihrem Publikum entgegen.

„Wenn man es nämlich ganz genau betrachtet…“ – fuhr sie fort – „…dann sind wir bereits ab dem Zeitpunkt unserer Geburt nicht mehr frei. Um hier keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, möchte ich kurz klarstellen, dass ‚Freiheit‘ in diesem Fall bedeuten würde, sich bewusst und ohne Beeinflussung für Dinge zu entscheiden. Ich bitte Sie zu überlegen. Haben Sie sich dazu entschieden geboren zu werden? Nein, das taten Sie nicht. Glauben Sie zumindest, denn erinnern können Sie sich nicht an eine solche Entscheidung. Können Sie entscheiden, wann Sie sterben? Natürlich, Sie haben die Wahl Ihr Leben zu jedem Zeitpunkt zu beenden. Aber haben Sie sich ausgesucht ein sterbliches Leben zu führen? Haben Sie sich dazu entschieden, dass Sie auf jeden Fall irgendwann sterben werden? Nein, das taten Sie nicht, jedenfalls nicht soweit Sie sich erinnern können. Und hier liegt der nennenswerte Unterschied. Sie können sich IHREN Tod ‚aussuchen‘, falls Sie das möchten und ohne die Beachtung anderer äußerer Umstände; aber den Tod an sich… Nun ja, auf den haben Sie keinen Einfluss, er ist allgegenwärtig vorhanden und ist gänzlich unabhängig von jeglichen Entscheidungen, die irgendein Lebewesen trifft. Ergo, können Sie im Laufe Ihres Lebens niemals vollkommen frei sein, von gesellschaftlichen und moralischen Grenzen mal ganz abgesehen.“

Ihr Rücken schmerzte. Sie rieb sich mit der Hand über die steifen Muskeln. Trotz des vielen Trainings und der regelmäßigen Auffrischungen ihres Körpers durch einen Arzt, hatte sie gelegentlich Probleme. Im Grunde verachtete sie die unnatürliche Langlebigkeit der Menschen, verursacht durch neuste Technologie und Medizin. Aber sie musste sich eingestehen, dass sie den Versuchungen und den Möglichkeiten, die sich ihr dadurch boten, nicht widerstehen konnte. Außerdem war sie eitel. Sie hatte es gehasst, dass die Männer das Interesse an ihr verloren, je älter sie wurde. Sie hatte es gehasst, dass sie immer hässlicher wurde, obwohl sie immer eine wahre Schönheit gewesen war. Als sich ihr die Chance bot, ihren eigenen Tod hinauszuzögern, hatte sie sie genutzt. Sie hatte zu viel verpasst in ihrem Leben und hoffte in ihrer verlängerten Zeit einige Dinge nachholen zu können.

„Die Frage, die die Menschheit seither beschäftigt ist, warum wir überhaupt hier sind. Warum leben wir? Was ist unsere Aufgabe? Worin liegt der Sinn unserer Existenz? Diese Frage kann ebenfalls nicht einheitlich beantwortet werden. Möglicherweise ist die Antwort in jedem Individuum selbst zu finden und unterscheidet sich daher von Person zu Person. Oder von Tier zu Tier. Wie auch immer… Sie dürfen mich gerne korrigieren, wenn Sie denken, dass ich falsch liege, aber meiner persönlichen Ansicht nach, ist der Sinn unseres Daseins…“ -sie schaute in die Runde- „…Informationen zu sammeln.“

Fragende Blicke trafen den ihren. Sie schaute von einem zum anderen, während sich ein leichtes Gemurmel durch den Saal zog, ausgehend von denen, die ihr zugehört hatten. Einige spielten auf ihren Smartphones oder beschäftigten sich anderweitig. Elaine interessierte es nicht, ob sie zuhörten, so lange sie keinen Krach verursachten. Sie würde sie nicht zwingen ihr ihre Aufmerksamkeit zu schenken.

„Ich sehe an Ihren Blicken, dass Sie nicht verstehen worauf ich hinauswill. Lassen Sie mich kurz erklären. Jeder Teil unseres Körpers besteht aus winzig kleinen Zellen, das wissen Sie bereits aus der Biologie. Aufgabe dieser Zellen ist es in jedem Moment ihrer Existenz den Organismus am Leben zu halten, ihn zu erneuern, ihn zu regenerieren. Und jede dieser Zellen besitzt einen Kern. Sowie jeder Mensch ein Gehirn besitzt. Vielleicht haben Sie ja schon mal etwas vom sogenannten ‚Gewebe-Gedächtnis‘ gehört. Jede Sekunde eines menschlichen Lebens wird gespeichert. In den Zellen. Im Gewebe. In den Muskeln. Den Organen. Der Haut. Dem Gehirn. Ein Mensch kann sich bewusst nur an bestimmte Dinge erinnern, Dinge die wichtig für ihn sind, die emotional an ihn gebunden sind, um es einfach auszudrücken. Irrelevante Erinnerungen und Erlebnisse werden ins Langzeitgedächtnis oder in das sogenannte ‚Unterbewusstsein‘ verschoben. Wir nennen diesen Vorgang ‚vergessen‘, weil wir uns nicht mehr direkt an diese Dinge erinnern können. Allerdings gibt es einige Missverständnisse dieses Begriffs auf einer biologischen Ebene. Wir können zwar nicht alles was uns jemals passiert ist dauerhaft abrufen, aber wirklich ‚vergessen‘ tun wir nichts. Die Informationen sind da, tief vergraben im menschlichen Gehirn. Nichts davon geht wirklich verloren, es ist alles gespeichert. Nur weil nicht alles durchgehend präsent ist, heißt das nicht, dass irgendetwas verloren geht. Es ist alles da, in Ihren Köpfen. Im Grunde sind wir also komplexe Festplatten, Speicherplätze für Informationen.“

Elaine ging weiter auf und ab. Sie hatte nicht mehr viel Zeit für den Rest ihrer Vorlesung, sie musste sich beeilen.

„Spinnen Sie den Gedanken weiter; Was passiert mit unseren Körpern, wenn wir sterben? Sie zerfallen, richtig. Und dann? Der Boden nimmt die Nährstoffe auf, die bei der Verwesung des Körpers entstehen, er braucht sie. Wurzeln, Bäume, Blumen nähren sich aus dem was von uns übrigbleibt. Bei näherer Betrachtung also, werden wir eins mit ihnen. Das mag für Sie recht kitschig klingen und ich verstehe Ihre Zurückhaltung, dennoch ist es wahr. Es ist der Kreislauf des Lebens. Unser Körper zerfällt, vermischt sich mich der Erde, wandert dann, in Pflanzen und Tiere und am Ende landet er wieder bei den Menschen und anderen Tierarten. Und dann geht das ganze Spektakel wieder von vorne los. Immer wieder, in jedem Moment des Lebens. Sehen Sie den Körper nun als Speicherplatz für Informationen, was geschieht dann damit nach dem Tod? All die Daten und Informationen gehen dorthin zurück, wo sie herkamen. In die Erde. In den Planten aus dem wir entstanden. All die Zellen wandern einfach weiter, es geht nichts verloren, im Grunde ist alles ein riesiges Netzwerk aus Jahrtausenden von Erinnerungen. Und nur, weil wir sie nicht konsequent abrufen können, bedeutet das nicht, dass sie nicht da sind. In jedem einzelnen Organismus auf dieser Erde, jeden Moment einer jeden Existenz.“ Sie nickte und schloss kurz die Augen. Dann fuhr sie fort.

„Ich möchte, dass Sie mir bis zur nächsten Sitzung schriftlich festhalten, was Sie glauben, was nach dem Tod mit unserem Geist passiert. Den Körper haben wir mit dieser Vorlesung bereits abgehakt, aber was passiert mit dem Verstand, mit der ‚Seele‘, wie es die Menschen gerne nennen. Definieren Sie zuerst, was Sie unter dem Begriff der ‚Seele‘ verstehen und führen Sie dann aus, was mit dieser nach dem Ableben geschieht. 10.000 Zeichen ohne Leerzeichen sind das Maximum der Arbeit, sie werden Sie nächstes Mal einreichen. Das Essay wird nicht benotet. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit, wir sehen uns nächste Woche.“

Sie nickte Ihren Studenten zum Abschied zu, die zur gleichen Zeit verabschiedend mit den Fingerknöcheln auf die Tische klopften. Der Geräuschpegel stieg, als der Saal sich leerte.

Elaine liebte ihren Beruf, es gefiel ihr ihre Gedanken an andere weiterzugeben. Sie hatte es aufgegeben sich strikt an den Unterrichtsplan der Universität zu halten. Die Hälfte der Zeit verbrachte sie damit über die alten Philosophen und Theorien zu sprechen, die andere jedoch nutze sie für ihre eigenen Überlegungen. Sie war gerne Professorin, nicht unbedingt weil sie anderen etwas beibringen wollte, sondern weil sie im Diskurs oder auch mal einem Monolog ihre Ideen weiterspinnen und vertiefen konnte.

Sie verließ den Unterrichtsraum, sie hatte für heute alle Vorlesungen beendet. Mit ihrer Tasche unterm Arm verließ sie das Gebäude und lief Richtung Parkplatz. Piepsend öffnete sich ihr Auto, als sie den Schlüssel betätigte. Allerdings besaß sie keinen dieser selbstfahrenden Wagen, sie fuhr lieber selbst. Sie ließ sich auf den Sitz fallen und rieb sich erneut ihren schmerzenden Rücken. Als sie losfuhr dachte sie darüber nach, dass es Zeit wäre nochmal einen Arzt aufsuchen und ihren Körper erneuern zu lassen.

Sie lenkte den Wagen auf die leere Straße, es war bereits spät und es war nicht mehr viel los. Mit der rechten Hand stellte sie das Radio an und ließ sich von sanften Klaviertönen berieseln. Die Melodien versetzten sie in einen schläfrigen und melancholischen Zustand. Mit den Gedanken woanders fuhr sie gemächlich auf eine Kreuzung zu und bremste als die Ampel rot wurde. Leise summte sie die Musik mit, die aus dem Fahrzeug erklang. Sie hob den Fuß von der Bremse, sobald das Licht der Ampel grün leuchtete und ließ das Auto langsam losrollen.

In diesem Moment erwischte sie ein Fahrzeug von rechts, das nicht rechtzeitig auf seiner Seite gebremst hatte und schlug sie mit voller Wucht von der Fahrbahn. Elaine schmeckte Blut in ihrem Mund und als sie die Augen schloss, sah sie ein helles Licht. An diesem Abend starb Dr. Elaine Barn auf der Fahrt nach Hause.

Und wachte mit dem Atem einer Ertrinkenden wie aus einem Traum wieder auf. Sie war nicht mehr auf der Straße. Sie war nicht mehr in ihrem Körper. Sie war nicht mehr in ihrer Welt. Sie lebte, weil sie gestorben war.

TO BE CONTINUED.

EIN JAHR IM BETT – WIESO, WESHALB, WARUM ARBEITSLOSIGKEIT?

„Streng dich doch mal mehr an!“ – „Geh endlich raus und unternimm was Schönes!“ – „Ich würde auch mal gerne so viel frei haben wie du, ich bin so gestresst…“.

Nein. Kann ich nicht. Und nochmals: nein.

  1. Arbeitslosigkeit rührt nicht zwingend da her, dass man sich nicht genügend Mühe gibt eine Stelle zu finden.
  2. Arbeitslosigkeit hat in den meisten Fällen zur Folge, dass nicht genügend Geld da ist um „was Schönes“ zu unternehmen.
  3. Niemand möchte gerne so viel Zeit mit Nichtstun vergeuden.

Gehen wir doch etwas näher auf den Sachverhalt ein.

Nach der Schule hat man die Möglichkeit eine Ausbildung oder ein Studium zu beginnen, so verlangt es die gesellschaftliche Norm. Entscheidet man sich für Ersteres, bekommt man ab dem ersten Lehrjahr ein festes Gehalt, dass sich von Jahr zu Jahr steigert. Die Höhe der Bezahlung hängt vom Fach und der Art der Ausbildung ab. Sollte man in dieser Zeit weiterhin bei den Eltern wohnen bleiben, müssen oft keine bis sehr geringe Kosten getragen werden, weshalb sich über die Jahre, wenn möglich, eine nette Summe ansparen lassen kann (das ist natürlich nicht immer der Fall).

Bei einem Studium sieht das Ganze schon anders aus. In Deutschland ist studieren weitestgehend kostenlos, im Gegensatz zu anderen Ländern wie z.B. den USA. Staatlich anerkannte Universitäten und Fachhochschulen werden nicht von ihren Studenten bezahlt, bis auf Materialien wie Bücher oder andere Unterlagen. Bis auf den halbjährlichen Semester-Beitrag fallen für die Dauer des Studiums keine weiteren Kosten an. Allerdings gibt es nicht nur staatliche Universitäten, sondern auch private, die oft (nicht ausschließlich) Studiengänge anbieten, die auf den staatlichen nicht zur Verfügung stehen. Der größte Unterschied liegt hier wohl in der Finanzierung. Während staatliche Universitäten kostenfrei sind, müssen die privaten Einrichtung monatlich bezahlt werden. Das liegt daran, dass diese Universitäten oft mit einem „einzigartigen“ und „erfolgsversprechendem“ Programm werben und daher für die versprochene detaillierte Fachkenntnis und -Kompetenz ein Entgelt verlangen können. Private Universitäten sind damit nichts anderes als gewinnorientierte Firmen, die ihre Dienstleistungen an Studenten verkaufen wollen.

Die Höhe des monatlichen Beitrags unterscheidet sich von Hochschule zu Hochschule, je nach Fachrichtung und Ansehen. Renommierte Einrichtungen verlangen einen höheren Preis für ihr Angebot. als die kleineren Universitäten. Im Durchschnitt liegen die Preise zwischen 500 und 700 Euro im Monat, wobei es durchaus billigere und teurere Angebote gibt. Im Ganzen beträgt die Summe der Kosten bei drei Jahren bei ungefähr 25.000 Euro. Während die meisten Privat-Studenten von ihren Eltern finanziert werden, gibt es allerdings auch Ausnahmen, die wegen eines Stipendiums oder eines Darlehens die gewünschte Fachhochschule besuchen können. Während ein Stipendium meist nicht zurückgezahlt werden muss, entstehen bei einem Darlehen weitere Kosten durch Zinsen, wodurch sich die Endsumme auf ungefähr 33.000 Euro anhebt, je nach Höhe des Zinssatz.

Um mal von dem ganzen Zahlen-Quatsch wegzukommen, gehen wir mal auf die Frage ein, was das im Endeffekt also eigentlich bedeutet.

Das Szenario: Du kommst frisch von der Schule mit deinem Abitur in der Hand, die Welt liegt Dir zu Füßen und du kannst alles machen was Du willst. Während Manche die Möglichkeit haben ein Jahr oder länger eine Auszeit von allem zu nehmen, sich vielleicht zu entscheiden, welche Richtung sie beruflich einschlagen möchten oder einfach die Welt zu entdecken, gibt es andere die entweder schon lange wissen welche Zukunft für sie infrage kommt oder die, die überhaupt keine Ahnung haben, was sie machen möchten. Allerdings herrscht da zu Hause oft mächtiger Druck. Die Eltern sind es leid ihre Kinder nach 19 Jahren immer noch beglucken zu müssen und wollen nun endlich ihre Ruhe haben und das Küken aus dem Nest werfen. Zumindest war das bei mir der Fall. Die Problematik dahinter ist eigentlich, dass man nicht genügend Zeit hat sich darüber bewusst zu werden, welchen Zweig man einschlagen möchte. Und da es während der Schulzeit oft viel wichtigere Dinge gibt, mit denen man sich beschäftigen kann, rückt die Zukunftsplanung währenddessen in weite Ferne und taucht erst nach dem Abschluss wieder auf.

Die Frage, die sich mir stellt ist, wie kann man in diesem Alter überhaupt schon genau wissen, wie sein Leben auszusehen hat? Und wieso muss man das überhaupt?

Wird man also gezwungen sich in kurzer Zeit für einen Weg zu entscheiden, kann das auch mächtig in die Hose gehen. Man ist sich nicht darüber bewusst was einen besonders interessiert oder welche Talente man eigentlich hat. Und woher soll man das auch wissen ohne jegliche Erfahrung? Klar, in der Schule werden die ersten Talente und Interessen schon deutlich, manche haben ein ganz besonderes und andere haben viele kleine. Wofür soll man sich also entscheiden? Man entscheidet sich also für einen Zweig den man zu dieser Zeit besonders interessant findet. Ich wollte damals unbedingt Schauspielerin werden, etwas das ich in der Schule jahrelang gerne gemacht habe und auch durchaus ein wenig Talent und ein Faible für Antagonisten hatte. Schauspielerei ist allerdings ein verdammt unbarmherziger Beruf. Mindestens drei Jahre Ausbildung und Studium, ohne spätere Verdienstmöglichkeiten oder Sicherheit. Kommt man bereits aus einer einkommensschwachen Familie klingt das nicht sehr berauschend. Obwohl ein starkes Interesse da war, entschied ich mich gegen den kreativen Bereich der Schauspielerei und für den organisatorischen. Mein Plan war es als Intendantin an Theatern und Opern zu arbeiten und vielleicht nebenher den kreativen Part fortzuführen. Ich entschied mich also für das Fach „Kunst- und Kulturmanagement“ an einer privaten Universität. Monatliche Kosten: 650  Euro. Semester-Beitrag: ca. 60 Euro. Gesamtschulden am Ende des Studiums: 35.000 Euro.

Wer hätte es für möglich gehalten, aber nach 3,5 Jahren Studium war mir dann klar, dass dieses Fach absolut nichts für mich war. Ganz im Gegenteil.

Neben dem allgemeinen Studienstress ist eine private Universität ein gesellschaftlich heikles Pflaster. Nicht alle Klischees über Privatschüler treffen zu und das wird sicher auch an jeder Uni anders sein. Allerdings ist es tatsächlich so gewesen, dass zumindest in meinem Jahrgang, viele aus wohlhabenden Familien kamen. Das Äußere ist enorm wichtig, genauso wie die Marke der neuen Handtasche oder wer mit wem geht. Es werden Wetten abgeschlossen, wer die meisten Studentinnen ins Bett bekommt und Drogen sind an der Tagesordnung. Klingt ziemlich nach American-Hollywood-Stereotype, trotzdem ist es leider wahr. Wenn man also einen Kredit für das Studium aufnehmen musste, um die laufenden Kosten abzudecken, weil die Eltern das alles nicht finanzieren können oder wollen, dann heißt es neben dem Studium auch noch arbeiten. Da unter der Woche dauerhaft Vorlesungen stattfinden, bleibt dazu dann nur das Wochenende. Im Endeffekt hat man damit also keinen einzigen wirklich freien Tag, sondern versucht nur die Anforderungen der Hochschule zu erfüllen und gleichzeitig mit Ach und Krach die Lebenshaltungskosten zu decken. Damit ist es unumgänglich dass entweder die Uni, das Sozialleben oder andere Dinge darunter leiden müssen.

Dazu kam das System der „Eigenarbeit“, was in den Hochschulkursen bedeutet, dass sich dreiviertel des Unterrichtsinhaltes autodidaktisch in der Freizeit und außerhalb der Vorlesungen beigebracht werden musste. Unmöglich wenn man nebenher noch jobben geht.

Alles in allem herrscht damit unter den Studenten also ein enormer Leistungsdruck, der mit einem Nebenjob, vielen privaten und familiären Problemen, sowie stetig abnehmenden Interesse an den Studieninhalten, nicht zu bewältigen ist. Dazu kommen dann noch kulturelle Unterschiede (ja, die gibt es auch innerhalb von Deutschland), denn für eine offene rheinische Mentalität sind die oft prüden Baden-Württemberger oft so gar nicht zu begeistern.

Lange ersehnt man sich den Studienabschluss, um endlich aus dieser Stadt weg zu kommen und nochmal von vorne anzufangen, in einer Branche und einem Job der hoffentlich ein bisschen mehr Freude bringt. Am besten weiß man schon vor der Bachelor-Arbeit wo man hin will und bewirbt sich fleißig. Fängt man wegen dem Nebenjob, der Bachelor-Arbeit und einem Praktikum erst nach dem Abschluss an, kann es passieren, dass man bitter enttäuscht wird, denn es ist nicht so als würden Berufseinsteiger gerne gesehen. Die Devise ist: So jung wie möglich, mit der Erfahrung eines/einer 80-Jährigen.

Dank des Studiums, der vielen privaten Schwierigkeiten und ganz besonders der Bachelor-Arbeit, sitze ich also seit einem Jahr dauerhaft zu Hause, während jede Woche ein neues gesundheitliches Problem auftaucht, etliche Absagen hereinflattern und die finanziellen Reserven so gut wie aufgebraucht sind. Ein weiteres Studiums oder ein Praktikum kommen wegen der finanziellen Probleme nicht infrage. Im Grunde sitzt man also nur noch zu Hause und hofft jeden Tag auf eine positive Rückmeldung, wegen der es sich lohnt das Bett zu verlassen. Die kommt aber meistens nicht, denn die ganzen Unternehmen haben genug Bewerber zwischen denen sie sich entscheiden können. Die Berufserfahrung ist hier der wichtigste Faktor. Oder Vitamin B. Der, dessen Eltern bereits in einer eigenen Firma arbeiten oder anderweitige Kontakte haben, hat es meist nicht schwer. Alle anderen jedoch, tja… Sorry.

Was ist also die Moral von der Geschicht‘?

Zwingt Eure Kinder nicht sich sofort für irgendetwas entscheiden zu müssen, es findet sich schon irgendwie ein Weg mit dem sich alles regeln lässt.

Fangt ein Studium an einer privaten Uni NUR an, wenn Ihr Euch zu tausend Prozent sicher seid, diesen Weg einschlagen zu wollen. Und solltet Ihr dennoch entdecken, dass der gewählte Zweig doch nichts für Euch ist, dann orientiert Euch anderweitig, egal wie viel Ihr investiert habt, es wird Euch sonst krank machen.

Vertraut nicht blind den Versprechungen, die Euch an diesen Unis gemacht werden. Gefördert oder vermittelt werden hier nur die besten der Besten, alle anderen wären nur eine unzureichende Reputation für diese Hochschulen. Sie sind profit- und ruforientiert, vergesst das nicht.

Haltet ein gutes Verhältnis zu Euren Dozenten, sie können Euch vielleicht nach dem Studium helfen. Denn die sind tatsächlich manchmal an Euch als Person interessiert.

Fangt rechtzeitig an Euch Gedanken über Eure Zukunft zu machen.

Arbeitslosigkeit ist nämlich verdammt Scheiße. Kein Geld, um die Dinge zu machen, die man gerne tun würde, während der Rest der Menschheit um Dich herum in der Welt herumreist und die schönsten Orte besucht, die Liebe seines Lebens findet oder eine andere neue Leidenschaft entdeckt. Der soziale und familiäre Druck, das Unterstellen, dass man sich nicht genug Mühe gebe und die Selbstzweifel, die daraus entstehen. Die allgemeine Ablehnung der potenziellen Arbeitgeber. Und die enorme Langeweile. Denn irgendwann hat man nicht mal mehr Lust das Haus zu verlassen, alle Freunde sind weitergezogen und man ist das einzige Überbleibsel in einer nervtötenden Stadt, aus der man nicht wegkommt.

Mit diesen Worten verabschiede ich mich und kehre nun in mein Bett zurück, wo ich alle Probleme mit einem Nickerchen lösen werde!

A SOCIAL INCOMPETENCE

Stille.

Flüchtiger Augenkontakt und dann betretenes Schweigen. Es gibt kein Gesprächsthema. Gäbe es wahrscheinlich schon, aber man hat verlernt (oder nie gelernt) von sich aus ein Gespräch zu beginnen. Aber das ist völlig normal. Trotzdem ist die Situation unangenehm. Man sieht wie der Gegenüber darauf wartet, dass man etwas sagt, aber man will eigentlich gar nicht reden. Also folgt der gewohnte Griff zum Smartphone, der Blick fixiert auf das Display. Alle Social Media Kanäle werden nacheinander geöffnet, man weiß schließlich nicht was alles spannendes passiert ist in der Minute, in der man sich gezwungen gefühlt hat sein Telefon wegzulegen. Aber die virtuelle Welt ist schließlich viel spannender und so viel einfacher. Während Du also apathisch in Dein Handy stierst, blicke ich resigniert auf den Teller der vor mir steht und frage mich, warum ich überhaupt Zeit mit Dir verbringe.

Ganz ehrlich, da hätte ich auch alleine Essen gehen können.

Jeder kennt es, das ständige Wiedereinschalten des Telefons und das Überprüfen neuster Nachrichten. Es passiert schon unterbewusst und fällt einem selbst kaum noch auf. Ständig passieren neue spannende Dinge, die will man natürlich nicht verpassen. Ein neuer Post auf Facebook, ein großartiges Bild auf Instagram oder ein weiteres Video auf YouTube. Es ist sowohl unterhaltsam, als auch informativ. Außerdem kann ich mich mit jedem auf der Welt unterhalten und muss dabei nicht mal eine Hose anziehen oder das Sofa verlassen. Es gibt so viele Möglichkeiten in der virtuellen Welt, zumal heute auch niemand mehr darauf verzichten kann, selbst wenn er wollte. Es ist einfach, es ist schnell und es ist vor allem unkompliziert.

Allerdings kann es auch sehr einsam machen.

In einer Welt in der sich alles nur noch virtuell abspielt, geht die Fähigkeit der Empathie und die soziale Kompetenz irgendwann verloren. Es wird von Kindesbeinen an gelernt Textnachrichten und Emojis zu interpretieren. Gesprochene Worte und Empfindungen gehen dadurch verloren, beziehungsweise, werden in den Hintergrund gerückt. Alle Ausdrücke und Aussagen, die über eine gewisse emotionale Norm hinausgehen werden als „Drama“ abgestempelt. Zu melancholisch, zu sensibel, zu traurig, zu übertrieben, zu dramatisch.

Zu menschlich.

Nicht jeder Mensch empfindet gleich, das ist klar. Und natürlich kann man auch nicht immer alles nachvollziehen, was ein anderer sagt, denkt oder fühlt. Nicht natürlich ist allerdings jegliche Emotionen von sich zu weisen und abzulehnen, sowie andere für ihr Wesen abzulehnen. Die meisten, die das hier lesen, werden wahrscheinlich jetzt aufhören. „Typisch Frau, so viel über Emotionen zu schreiben, einfach schmalzig.“ – „Weiber!“ Danke, genau das habe ich gemeint.

Es ist kalt geworden auf der Erde und das trotz globaler Erwärmung.

Es erscheint heutzutage erstrebenswert emotionslos und kalt zu sein. Beziehungen werden nicht mehr so sehr geschätzt, besonders auf romantischer Ebene, obwohl sich unterbewusst trotzdem jeder einen Partner oder eine Partnerin wünscht. Was aber niemand zugeben würde. Wenn etwas nicht nach den Idealvorstellungen läuft, wird es nicht besprochen, sonder verschwiegen und beendet. Dazu ein Beispiel: Zwei Menschen lernen sich kennen und entscheiden sich mehr Zeit miteinander zu verbringen. Das sexuelle Interesse ist durchaus vorhanden, doch nach einiger Zeit zeigt einer der Beiden zu viel Interesse, gibt zu viel von sich preis. Die Gegenseite verliert dadurch die Lust am Spiel – viel zu langweilig. Man denkt sich Gründe für das Nichtfunktionieren eines Zusammenseins aus und rechtfertigt seine Zurückhaltung damit vor sich selbst. Anstatt jedoch das Problem zu besprechen, wird jeglicher Kontakt (meist virtuell) abgebrochen ohne eine Erklärung. Man meldet sich nicht mehr und hofft dass der andere somit versteht was Sache ist, ohne sich erklären zu müssen und so einer unangenehmen Situation zu entgehen. Die andere Person bleibt frustriert und gekränkt zurück ohne zu erfahren was los ist. Und das kann sowohl auf Männer, als auch auf Frauen zutreffen.

Die virtuelle Welt macht also nicht nur einsam, sondern auch feige. Ziemlich traurig.

Dass emotionale Kälte erstrebenswert ist, dürfte nun jeder verstanden haben. Die fällt allerdings nicht nur in Beziehungen (oder nicht entstandenen Beziehungen) auf, sondern auch bei Freundschaften. Besonders interessant ist hier das Konzept von „Freunden mit gewissen Vorzügen“. Wie schon erläutert ist es ziemlich umständlich eine feste Beziehung zustande zu kriegen. Es ist nicht nur schwierig, sondern auch riskant, denn man setzt sich selbst schließlich dem Risiko aus verletzt zu werden. Und da man 2016 nicht mehr in der Lage ist mit Emotionen umzugehen, ist das natürlich nicht sehr begehrt. Trotzdem ist ja niemand gerne lange allein. Lösung des Problems: Eine sexuelle Beziehung mit einem Freund oder einer Freundin eingehen. Das bedeutet im Klartext: Keine romantische Bindung, daher also auch keine Gefühle oder Verpflichtungen, wobei der sexuelle Trieb trotzdem durch gelegentlichen bedeutungslosen Sex gestillt wird. Man kann sich melden, oder nicht melden wann man will, ohne Konsequenzen davontragen zu müssen und wird gleichzeitig körperlich befriedigt.

Ein grandioses Konzept!

Allerdings vergisst man dadurch schnell die freundschaftliche Komponente. Man meldet sich einfach gar nicht mehr, oder eben nur dann wenn man sich sexuell betätigen will. Das macht noch mehr kaputt, als erst mal offensichtlich ist. Eher selten verläuft das Ganze reibungslos, einer verliebt sich doch immer, denn ÜBERRASCHUNG: Das ist nur menschlich. Aber niemand will heute mehr menschlich sein. Die Freundschaft zerbricht oder bekommt einen Knacks und am Ende bleibt vielleicht nichts mehr davon übrig. Die Problematik geht hierbei viel tiefer als erwartet.

Doch sollte es mir wirklich mal schlecht gehen, muss das schließlich niemand erfahren.

Es ist viel einfacher durch eine virtuelle Präsenz einen Zustand vorzugeben, der nicht der Wirklichkeit entspricht. Denn online kann Ich alles sein, was ich will – alles, was Ich in Wirklichkeit nicht bin. Anstatt mich also zu ändern, kann ich meine Maske per Social Media aufziehen und dadurch Glück und Zufriedenheit in die Welt hinausposaunen, egal wie schlecht es mir eigentlich geht. Dazu muss ich mich nicht anstrengen oder irgendeinen Aufwand betreiben, sondern kann einfach mein Smartphone in die Hand nehmen.

Und das alles, Kinder, nenne ich Soziale Inkompetenz. 

WINTER IS HERE

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Jon Snow [Kit Harington]

Ramin DJawadi. Ramin DJawadi ist der Komponist von „The Light of the Seven“ in der finalen Folge der sechsten Staffel von „Game of Thrones“. Schwer und doch leicht klingt sie, die Auftaktmelodie und berührt in emotionsgeladenen kleinen Tropfen das Herz des Zuhörers. Schwer durch die Traurigkeit, die ihr innewohnt Leicht wegen der schnellen, hohen Töne des Klaviers zu Beginn des Stücks. Verheißungsvoll führt sie uns in die letzte Folge dieser epischen Staffel.

Dunkel ist die Welt von „Game of Thrones“, das ist sogar Nicht-Kennern bekannt. Düster, voller Hass und Tod. Und dennoch macht genau das den Charme der Geschichte aus, sei es als Fernsehshow oder in den Büchern. Die erste Regel für alle Game-of-Thrones-Begeisterte: niemals eine zu große Bindung zu einem Charakter aufbauen! Niemals! Je mehr man ihn liebt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er stirbt (was besonders bei der „Roten Hochzeit“ deutlich wurde). Niemand in dieser düsteren Welt ist sicher vor der grausamen Hand ihres Schöpfers George R. R. Martin. Aber genau das macht ihren Reiz aus.

Wie oft hat man es schon in Filmen gesehen: Ein Held der sich auf eine Mission begibt, ein bestimmtes Ziel verfolgt mithilfe einiger anderer Charaktere, die am Ende alle auf wundersame Art und Weise überleben. Das ist schön, aber auch verdammt unrealistisch. Der „Realismus“ der Game-of-Thrones-Storyline ist ein Markenzeichen. Auch wenn wir uns wünschen, dass unsere Lieblingscharaktere ihr ganz persönliches Ziel erreichen, schafft es jedoch eine viel tiefere emotionale Bindung, ihren ganzen Leidensweg zu begleiten, ohne zu wissen was als nächstes passieren könnte. Die Unvorhersehbarkeit bindet den Zuschauer oder Leser viel stärker an die Geschichte und ihre Akteure, als eine vorhersehbare Handlung. Das Unberechenbare ist viel reizvoller, viel näher am realen Leben.

Als Game-of-Thrones-Veteran habe ich bis zum Ende von Staffel 6 darauf gewartet, Jon Snow sterben zu sehen, nachdem er mir bereits ein Mal genommen wurde, um dann wieder zum Leben erweckt zu werden. Doch das tat er nicht. Umso mehr bin ich gespannt darauf, wie das „Schicksal“ Daenerys Targaryen und Jon Snow zusammenbringen wird. Ice and Fire.

Charakterentwicklung ist das Stichwort der bisherigen Staffeln. Arya, die vom kleinen, wilden Rotzgör zur gefürchteten Assassine wird. Sansa, eine naive „Prinzessin“, die nur noch von Lyanna Mormont an Willensstärke und Toughness übertroffen werden kann. Tyrion Lannister, ein Ausgestoßener, ein Zwerg, der sich auf Frauen und Alkohol versteht und nun mit seiner Verwandtschaft abgeschlossen hat, um am Schicksal der Welt teilzuhaben, als Rechte Hand von Daenerys Targaryen. Und dann ist da noch Cersei Lannister.

Auch wenn Cersei sich nicht wirklich weiterentwickelt, so bekommen wir von Staffel zu Staffel einen tieferen Einblick in ihre Psyche. So wird ihr Hass und ihr Schmerz immer tiefer, sodass ihre Persönlichkeit noch dunkler wird. Ich liebe Cersei genauso sehr, wie ich sie verachte. Lena Headey verdient jegliche Anerkennung für die perfekte Verkörperung dieser Figur. Man kommt nicht darum herum Cersei zu hassen, für ihre unbegründete Arroganz und das Leid, das sie jedem in ihrer Umgebung zufügt, für die immer deutlicher werdende Ähnlichkeit mit Aerys Targaryen, dem „Irren König“., die beide eine große Leidenschaft für „Seefeuer“ teilen. Aber man versteht Cersei irgendwie. Eine hasserfüllte, selbstsüchtige Frau, die nie gelernt hat Glück durch sich selbst zu finden, sondern nur durch das Leid anderer. Die Angst immer befürchten zu müssen, wieder ein Stück von sich selbst zu verlieren. Und dennoch ist keiner der anderern Charaktere zu so tiefer und inniger Liebe imstande wie Cersei Lannister, die zwar jeden um sich herum hasst, für ihre Kinder und ihren Bruder jedoch durch Feuer gehen würden, da sie das einzige Glück in ihrem Leben sind. Auf grausame Art und Weise wird ihr auch dieses Glück genommen und sie erfährt schreckliches Leid, als sie den Tod all ihrer Kinder mit ansehen muss. Joffrey haben wir es noch gegönnt, als Zuschauer. Doch der Tod von Myrcella, einem lieben und sanften Mädchen, das ermordet wird und der tragische und plötzliche Selbstmord von dem eigentlich so zarten und gutmütigen Tommen, lässt Cerseis Schmerz nachempfinden. Doch nachdem sie durch die Prophezeiung und dem Tod ihrer beiden ersten Kinder sich bereits über ihr Schicksal bewusst ist, wirkt sie beinahe resigniert, als sie den toten Körper ihres jüngsten Sohnes sieht. Es fragt sich jetzt nur noch, wie der letzte Teil der Prophezeiung in Erfüllung gehen wird, der besagt, dass sie durch die Hand ihres jüngeren Bruders stirbt. Wird es Tyrion oder Jamie sein? Tyrion wäre beinahe schon zu offensichtlich, der Tod durchs Jamies Hand, wäre umso dramatischer. Getötet durch ihren jüngeren Zwillingsbruder, ihren Geliebten und dem Vater ihrer toten Kinder.

„Confess. Confess. Confess. Confess.“

Es ist offensichtlich, dass die Frauen zurzeit das Ruder der Game-of-Thrones-Geschichte übernehmen. Seit Staffel 6 ist du junge Lyanna Mormont aufgetaucht und überbietet alle Charaktere an Weisheit, Strenge und Durchsetzungsvermögen. Dabei ist sie erst 10 Jahre alt. Aber durch sie ist Jon Snow nun der anerkannte König des Nordens und kann auf die Unterstützung der nördlichen Häuser setzen im Kampf gegen die Weißen Wanderer.

Dass Jon Snow einer der meistgeliebten Charaktere der Show ist, ist klar. Der anfänglich machtlose Bastard Ned Starks, der nun der mächtigste Mann des Nordens ist. Jon Snow, der so viel in seiner Zeit an der Mauer erlebt hat, der den Weißen Wanderern Seite an Seite mit Wildlingen gegenübertrat, der seine Geliebte verlor, der von seinen eigenen Männern niedergestochen wurde und der von den Toten zurückkehrte um eine finale Schlacht zu führen.

In welcher Art und Weise Eis und Feuer aufeinander treffen werden, wird sich erst 2017 herausstellen. Wer weiß ob sie sich verbünden oder auf verschiedenen Seiten stehen werden. Es bleibt abzuwarten. Das Finale von Staffel 6, hat zumindest einen emotionalen Höhepunkt geliefert, der nun Neugier auf mehr macht.

„The North remembers. We know no king but the King in the North whose name is Stark. I don’t care if he’s a bastard. Ned Stark’s blood runs through his veins. He’s my king, from this day until his last day!“